Verlust des eigenen Ichs

Auszug aus dem Buch
„Haß macht die Erde kalt“

Achtung: Buchauszug bezieht sich auf die Handlungsweisen gewaltbereiter Individuen:

„Das Zerschlagen der Seele ist eines der schlimmsten Situationen, die ein Mensch erleben kann.“

Die Auswirkung einer autoritären Gesellschaft (Erziehung) sind immer verhängnisvoll. Gehorsam ist stets die Unterwerfung unter den Willen eines anderen, weil dieser andere Macht über einen hat. Wenn Eltern ihren Kindern gewaltsam ihren Willen aufzwingen, so kann das bei den Kindern Todesängste auslösen. Wenn ein Kind von denjenigen, die es schützen sollten, körperlich oder seelisch überwältigt und mißhandelt wird, wird die Angst so übermächtig, daß sie nicht mehr auszuhalten ist. Die Angst ist dann so ungeheuerlich, dass sie nicht nur einfach verdrängt, sondern abgespalten wird.

Dieser Vorgang ist inzwischen sehr genau erforscht  

Der amerikanische Psychoanalytiker Arno Gruen beschreibt diese Verwandlung der Gefühle so:
„Um diese Angst, wie auch mit ihr verbundenen Schmerz von sich weghalten zu können, geschieht etwas Außergewöhnliches. Das Kind fängt an, seine Unterdrücker, den Aggressor, zu idealisieren, ihn zum Objekt seiner Identifikation zu machen. Auch Erwachsene können diesen Vorgang unter den Bedingungen einer Gefangenschaft oder Folter wiederholen. Diese Extremsituation tritt immer dann ein, wenn ein Kind oder ein Erwachsener keinen Ausweg sieht, wenn er also keinen Schutz bei Mitmenschen findet. Wenn jede Hilfe ausbleibt, dann geschieht noch etwas in der Psyche des Menschen. Er gibt sich selbst Schuld an der Strafe und Gewalttätigkeit, die er erleiden muß. In seiner Psyche entsteht die Vorstellung, daß er schlecht und nicht liebenswert sei. Das ist der Anfang von  Selbsthaß und Haß.

Das Zerschlagen der Seele ist eines der schlimmsten Situationen, die ein Mensch erleben kann. Er verliert sich selbst. Es entsteht ein riesiger Druck danach, wieder heil zu werden, wieder mit sich selbst zusammenzukommen. Dieses wieder Heil-Werden aber wird für sie nur dadurch möglich, daß sie bedingungslos erfüllen, was Einheit und Ausbilder befehlen.

Die Gewalttätigkeit von radikalen Gruppen ist psychisch gesehen – ein verzweifelter Versuch, wieder heil zu werden, nicht mehr Opfer von Gleichgültigkeit und Grausamkeit zu sein, sondern selbst Macht über ihre Mitmenschen, Umwelt und Gesellschaft zu erlangen. Dieser „Selbstheilungsversuch“ hat für alle Beteiligten katastrophale Folgen. Gewalt und Brutalität werden zum Wiederholungszwang. ………………………….

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Bemerkung der Initiatoren von „FestivalMensch“ zur Thamatik:

In gemäßigterer Form findet dieser Kreislauf der emotionalen Zerstörung – hat nicht allein mit Gewalt zu tun – von Individuen Mann / Frau auf allen Ebenen der zwischenmenschlichen Beziehungen unabhängig der Intelligenz und gesellschaftlichen Schichtung statt.  Ob es sich dabei um Familien-, Partner-, Freundes-, Vereins-, Partei- und/oder Religions-Strukturen, etc. handelt oder ob der Austragungsort emotionaler Schädigung in der Schule, am Arbeitsplatz (z.B. Mobbing) oder bei der Armee stattfindet etc., ist egal. Der einzige Unterschied im Resultat wird die Intensität und/oder die Dauer der Einwirkungen seelischer Schädigungen auf den einzelnen Menschen sein.

Von diesen Vorgängen sind die meisten Menschen – egal mit welcher speziellen Qualifikation – mehr oder weniger betroffen, d.h.auch Politiker, Priester, Manager, Unternehmer, Sozialarbeiter, Lehrer, Ärzte, oder sogar Psychologen selbst. Es sind in sich selbst tragende Abläufe, die von der Kultur einer Generation (Kultur = Lebensform einer Gesellschaft) auf die Kultur der nächsten Generation übertragen wird. Die mit beste Prävention negativer emotionaler Prägungen durch  Erziehung und negativer Einwirkung des gesellschaftlichen Umfeldes auf die Psyche des einzelnen Individuums ist unserem Ermessen nach ein neutrales Bildungswesen, welches dem Individuum bei normalen Entwicklungsprozessen rechtzeitig die Chancen gibt, auf neutraler Ebene ein gesundes Selbstwertgefühl zu bekommen. D.h. dass das Individuum im Selbstfindungsprozess mit Hilfe psychologischem Basiswissen (Basiswissen über Erkenntnisse aus der menschlichen Verhaltensforschung) unterstützt wird. Dies ist für das einzelne Individuum meist auch die beste Prävention gegen Einflüsse gegenwärtiger und zukünftiger psychologischer (oftmals unbewusster) Machtmissbräuche Dritter. Ebenso werden durch entsprechende Bildung eigene unbewusste Machtmissbräuche des Individuums meist gemindert oder verhindert, bzw. zu einem erträglichen Maß für alle Beteiligten relativiert.